Das Festival
VAGABUND

Foto: Paula Winterberg

Anlässlich zur Einführung unseres digitalen Stadtplans, feiern wir am 22. und 23. Juli 2021 das Kunst-, Musik und Performancefestival „Chai OF – Jüdisches Kulturfestival Offenbach“ in der Offenbacher Innenstadt.

Neben einem internationalen Musikprogramm auf dem Festivalgelände im Büsingpark und auf dem Gelände der Synagoge, gilt es natürlich die Orte des Stadtplans zu entdecken und von 15:00-20:00 Uhr auch die künstlerischen Interventionen, welche einige Orte des digitalen Stadtplans anlässlich des Festivals begleiten. Am Freitagabend wird es zudem eine Performance der Künstlerin Adi Liraz und eine Paneldiskussion geben.

interaktiver stadtplan

Jetzt entdecken

mehr erfahren

Wer etwas tiefer in den Stadtplan einsteigen möchte, der kann an einer der vier Führungen teilnehmen und natürlich ist auch auf dem Festivalgelände für das leibliche Wohl durch das Flow Deli gesorgt.

Zwei Tage volles Programm mit einer Entdeckungsreise zu Fuß durch die Offenbacher Innenstadt. Mit Musik von Daniel Kahn, Ben Salomo, LIRAZ, Mary Ocher, VAGABUND. Mit einer Fotoausstellung und neun künstlerischen Arbeiten von Liat Grayver, Olga Grigorjewa, Leon Kahane, Daniel Laufer, Ella Ponizovsky Bergelson, Elianna Renner, Anna Schapiro, Ali Shrago-Spechler, Lukas Sünder, sowie einer Performance von Adi Liraz.

Die Musik

Klezmer, Electrosounds, Rap,
traditioneller Folk und persische Retro-Sounds –
Chai OF hat einiges zu bieten

MARY OCHER

Kurz vor dem ersten Lockdown ist Mary Ocher für ausgewählte Termine nach Europa zurückgekehrt, frisch von der Aufnahme eines neuen Albums und Tourneen durch Nordamerika, Australien und Neuseeland. Mit dem viel gefeierten „The West Against The People“ und der dazugehörigen Veröffentlichung „Faust Studio Sessions and Other Recordings“ tourte sie durch 30 Länder – und ist am 22. Juli in Offenbach zu Gast bei „Chai OF – Jüdisches Kulturfestival Offenbach“.

In den letzten zehn Jahren hat Mary leidenschaftliche, kompromisslose Arbeiten geschaffen, die zum Nachdenken anregen, sozial und kreativ gegen den Strom drängen und sich mit Themen wie Autorität, Identität und Konflikt auseinandersetzen. Ihre Musik ist ebenso bezaubernd wie polarisierend und reicht von traditionellem Folk über raue 60er-Garage, Ambient mit ätherischen Vocals und abstrakten Synths bis hin zu experimentellem Pop mit afrikanischen und südamerikanischen Rhythmen bei Auftritten mit ihren Schlagzeugern (Your Government).

Foto: Gloria de Oliveira

LIRAZ

Liraz, die hochgepriesene israelisch-persische Sängerin, kehrt mit einem fröhlichen und grenzübergreifenden neuen Album „Zan“ zurück. Schimmernder Elektro-Pop trifft auf pulsierende Tanzrhythmen und persischen Retro-Sound. Entstehen konnte das Album nur durch geheime Kollaborationen mit im Iran ansässigen Musiker:innen und Komponist:innen, denn seit Jahrzehnten ist die Situation zwischen Iran und Israel angespannt.

Für ihr zweites Album „Zan“ („Frauen“ auf Farsi), arbeitete Liraz deshalb online und im Geheimen. Das Ergebnis ist ihre private Revolution, Lieder mit einer wahren Botschaft, Musik zum Tanzen und Schmunzeln – und vor allem zum Nachdenken.

Foto: Ronen Fadida

VAGABUND

Vagabund – das sind acht junge Musiker:innen, die mit zarten Streicher-, krächzenden Klarinetten- und tänzerischen Akkordeonklängen, begleitet vom knackigen Kontrabass- und Bassklarinettensound die vielfältige Klangfarben des Klezmers zaubern. Die traditionell jüdische Musik begeisterte die Musiker:innen schon in ihrer Kindheit. Nun interpretieren sie den Klezmer mit seiner großen emotionalen Farbpalette auf ihre ganz eigene Art.

In ihrer Musik schwingt eine Zerrissenheit, eine Sehnsucht nach Heimat und Ferne. Man hört den Ruf danach zu tanzen und das Leben in all seinen Schattierungen zu feiern. Besonders die Spielfreude der Musiker:innen steckt dabei an, der lebendige Kontakt beim Musizieren, untereinander und mit dem Publikum, macht die Konzerte zu einem immer neuen, mitreißenden Erlebnis.

Gemeinsam streichen die acht Studierenden und Alumni der Musikhochschule Lübecks seit Oktober 2019 durch die Lande. Zusammengefunden haben die Musiker:innen aus künstlerischen und pädagogischen Studiengängen in einem Seminar unter der Leitung von Klarinettist, Crossover- Spezialist und Dirigent Prof. Bernd Ruf, der die Band auch bei der Produktion ihres Debüt Albums unterstützt und begleitet hat.

Zusammengetragen haben die jungen Musiker:innen selbst arrangierte Klezmer-Standards, Eigenkompositionen und Ausflüge in andere Stilrichtungen. Von wilden rumänischen Streichermelodien, über jazzige Akkorde bis hin zu bekannten Filmmelodien nehmen sie ihre Zuhörer:innen mit auf eine bunte, aufregende Reise ins Ungewisse.

Foto: Paula Winterberg

BEN SALOMO

Ben Salomo gehört zu den außergewöhnlichsten Vertretern des Deutschen HipHop. Nach dem Anschlag auf die Synagoge von Halle im Oktober 2019 und den antisemitischen Hassaufmärschen vom Mai 2021, werden Jüdinnen und Juden in Deutschland immer wieder gefragt, wie es ihnen in Deutschland geht. Rapper und Singer/Songwriter Ben Salomo gibt mit seiner Musik eine von vielen Antworten aus der jüdischen Community. Als Jude in Deutschland war er seit seinem 11. Lebensjahr mit antisemitischer Diskriminierung konfrontiert.

Ben Salomo wurde als Jonathan Kalmanovich 1977 in Israel geboren. Als er vier Jahre alt war, zogen die Eltern mit ihm nach Berlin, wo er bis heute lebt. Dort feierte er auch als Heranwachsender seine Bar Mizwa und erhielt den hebräischen Zunamen Ben Salomo („Sohn des Salomo“), den er heute als Künstlernamen trägt.

Seine ersten Raps produzierte Ben Salomo Ende der 1990er Jahre. Sein YouTube-Format „Rap am Mittwoch“, wurde ein nationaler Hype und hatte mehr als 420.000 Abonnent*innen. Vielen heutigen Rap-Stars bot er damit eine Plattform.

Im November 2016 veröffentlichte er sein erstes Solo-Album mit dem Titel „Es gibt nur Einen“. Im April 2018 gab er seinen Protest-Rückzug aus der Hip-Hop-Szene bekannt und beendete sein Erfolgsformat – wegen Antisemitismus innerhalb der Rap-Szene.
Februar 2019 erschien sein autobiografisches Buch „Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens“ mit der begleitenden Single „Sie sagen mir“.

Mit der Single „Deduschka“ gab er am 1. Jahrestag des Anschlags von Halle, der Gefühlslage vieler Jüdinnen und Juden in Deutschland eine Stimme.

Foto: Thomas Köhler

DANIEL KAHN &
YEVA LAPSKER

Dortn Dortn: Lieder auf Wanderschaft

Yiddish Troubadour Daniel Kahn (US/DE) und Übersetzerin-Videokünsterlin Yeva Lapsker (RU/DE) malen eine musikalische und visuelle Landschaft der jüdischen Diaspora durch die Epochen. Uralte und neue Balladen, Mayses (Erzählungen), lyrische Nachdichtungen und Poesie, verwebt mit projizierten Bildern, Übertiteln, Landkarten und atmosphärischen Videos, bereisen die ewigen Wege des jüdischen Goles (Exils). Ein intimer Abend zwischen Jiddisch und Englisch, Russisch und Deutsch, Geistern und Ganoven, Fernweh und Vertreibung, Aufbruch und Abgrund.

Daniel Kahn wurde in Detroit geboren und ist jüdisch-amerikanischer Abstammung. Er singt auf Englisch, Jiddisch, Deutsch und Russisch. Oft vermischt er mehrere Sprachen in einen Liedern und lässt so Grenzen verschwimmen.

Foto: Oleg Farynyuk
INTERVENTIONEN

Künstlerische Interventionen
in der Innenstadt

An mehreren Orten entlang des digitalen Stadtplans, werden an beiden Festivaltagen zwischen 15:00-20:00 Uhr aktuelle künstlerische Positionen ganz unterschiedlicher jüdischer Künstler:innen präsentiert. Von Performance, Video bis hin zur Malerei, so wird z.B. das Offenbacher Rathaus Teil der Installation von Anna Schapiro, ein Esel lernt sprechen und erzählt aus seiner Perspektive von Offenbach und die Fenster von Klingspor Museum und Stadtbibliothek verwandeln sich in Schreibflächen für starke Poesie.

Liat Grayver (Bernardbau/Innenhof Haupteingang), Olga Grigorjewa (Hof Büsing Palais), Leon Kahane (Rathaus Plaza 39), Daniel Laufer (Capitol Theater Offenbach), Elianna Renner (Rathaus Plaza 39), Ella Poni (Klingspor Museum und Stadtbibliothek), Anna Schapiro (Rathaus Offenbach), Ali Schrago-Spechler (Büsing Park auf dem Festivalgelände), Lukas Sünder (Eingang Klingspor Museum), die Wanderausstellung des Fotowettbewerbs „Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland“ (Capitol Theater Offenbach und Schaufenster Steinmetz’sche Buchhandlung), Theresa Buschmann und Anja Hantelmann (Stadtplan/Haus der Stadtgeschichte)

Weitere Informationen zu den Künstler:innen und zu den einzelnen Arbeiten, sind in dem digitalen Stadtplan zu finden.

Performance ממים לאש Me´Mayim Le´Esch (vom Wasser zum Feuer)

Liraz, Adi
Freitag, 23.07.2020, 20:00 Uhr
Startpunkt: alte Synagoge/freigelegte Synagogenwand, Große Marktstraße 12

Bei dem Spaziergang, der am Wasser anfängt und in Feuer endet, lädt die Künstlerin Adi Liraz das Publikum zum Mitlaufen ein. Es geht um Spüren, neu Entdecken und darum die Gegenwart zu reflektieren: Spüren, Suche, Erinnerungen, Widerstand.

„Die Zeit vergeht… Wir merken es nicht, Erinnerungen schwinden…“ Semra Ertan, Kiel, den 30 Juli 1980

DIE FÜHRUNGEN UND DIE PODIUMSDISKUSSION

Foto: Jessica Schäfer

Führung durch die Synagoge

Freitag, 23. Juli um 15.30 Uhr
Kaiserstraße 109
Anmeldung: kultur@offenbach.de

Prof. Alfred Jacoby (Vorsitzender der jüdischen Gemeinde) lädt zu einem geführten Rundgang durch die Synagoge und bietet und einen Einblick zur Architektur der Synagoge sowie zum Gemeindeleben. Eine Vorabanmeldung mit Namen und Telefonnummer unter kultur@offenbach.de ist zwingend erforderlich.

Audiowalks und geführte Audiowalks

Anmeldung: meschugge@drk-of.de

Dem Anlass der Veranstaltungsreihe „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zufolge erarbeiten die ehrenamtlichen Ensemblemitglieder im Alter zwischen 20 und 24 Jahren einen Audiowalk zu aktuellen und historischen Stationen jüdischen Lebens in Offenbach. Der Audiowalk beinhaltet die Stationen „Große Marktstraße“, „Capitol-Theater“, „Jüdischer Friedhof“, „Büsing-Park“ sowie „Hebräischer Buchdruck“. Der Fokus liegt insbesondere auf der Perspektive der Jugendlichen, die alle in Offenbach aufgewachsen sind und – ähnlich wie vermutlich die meisten Offenbacher:innen – täglich an diesen Orten vorbeigehen, ohne zu wissen, welche Geschichte dahinter steckt. Zu den Stationen werden sie nicht nur Wissensinput geben, sondern auch über ihre individuelle Perspektive als junge Offenbacher:innen berichten. Mit dem Audiowalk möchten wir jüdisches Leben in Offenbach zelebrieren und sichtbar machen, dass das Judentum unsere Stadt bereits seit 300 Jahren prägt und bereichert.

Für den Audiowalk benötigt man lediglich das eigene Smartphone und Kopfhörer, schon kann es losgehen. Auf der Seite www.chai-of.de werden zum Festivalstart alle Audiospuren zu finden sein.

Im Rahmen des Festivals bietet Meschugge zusätzlich drei Termine für einen geführten Audiowalk an, auf deren Zwischenwegen zum Austausch und zur Diskussion mit Mitgliedern des Ensembles und des Teams angeregt wird. Diese Termine umfassen jeweils ca. 1 Std:

Do. 22.07.21: 15:00 Uhr
Do. 22.07.21: 18:00 Uhr
Fr. 23.07.21: 15:00 Uhr

Da die Teilnehmer:innenzahl  begrenzt ist, wird bei Interesse um eine kurze Mail an meschugge@drk-of.de gebeten, in der Datum und Uhrzeit der gewünschten Führung sowie der Name angegeben werden.

Podiumsdiskussion „Jüdische Perspektiven
in Kunst, Musik und Kultur“

Freitag, 23. Juli, 17.30 Uhr, Festivalbühne Büsingpark

Welche Erfahrungen machen jüdische Künstler:innen in den Bereichen Musik, Kunst und Kultur? Und lässt sich jüdische Kunst überhaupt labeln und was zeichnet sie vermeintlich aus? Welchen Schwierigkeiten begegnen die Akteure in der Kulturszene und wie stark müssen sie sich mit Antisemitismus auseinandersetzen? Wie kann es gelingen, die Vielfalt jüdischer Kultur zu repräsentieren und Vorurteilen und Stereotypen vorzubeugen? Diese und weitere Fragen sollen mit jüdischen Kulturschaffenden im Rahmen einer Paneldiskussion thematisiert werden. Moderiert wird das Panel von Nathalie Friedlender von der Bildungsstätte Anne Frank. Die Teilnehmenden sind Schriftstellerin Olga Grjasnowa, Rapper Ben Salomo, Künstlerin Anna Schapiro sowie Musiker Daniel Kahn und Yeva Lapsker.

PROGRAMM

Das volle Programm findest du auf der Startseite.